Wohnhaus Rathje
Wohnhaus / Wohnhaus
Informationen
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Oberhalb der letzten nördlichen Buhne am Freistrand, stand bis 1960 das "Haus Wallachei" von Familie Rathje. Das Grundstück gehört zu Altheikendorf. Erst bei der heutigen Zufahrt zum Uferweg 6 beginnt der Ortsteil Möltenort.
Hier in der Wallachei stand einst das Heikendorfer Armenhaus, weit ab vom Dorf. Der Bauernvogt Rühr war verpflichtet einmal in der Woche hier hinauszukommen und die Wünsche und Klagen der Anwohner anzuhören und zum Gut Schrevenborn zu bringen.
Das alte Armenhaus wurde mit dem Bau des neuen Armenhauses am Langen Rehm um 1823 verkauft.
1851 kaufte das Grundstück der Arbeitsmann und Häusler *Friedrich "Fritz" Hinrich Rathje (* 23.6.1820). Er stammte von der Instenstelle in der Dorfstraße (später Klühn). Das ärmliche Haus verfügte über ein beheizbares Zimmer, drei nicht beheizbare Kammern und eine kleine Küche auf der Vordiele (Lehmdiele). Es gab einen Stall für ein Schwein und ein Schaf. Fritz Rathje handelte mit Seegras, welches die Gebrüder Kähler bis nach Hamburg fuhren. Er wurde der "Seegraskönig" genannt und besaß ein Boot mit dem er Fahrgäste nach Friedrichsort übersetzte. Fritz Rathje soll ein gewitzter und dreister Mann gewesen sein. Besonders dem Festungskommandanten Herrn Hund gegenüber. Dieser verhalf dem Kaiser Wilhelm I. 1848 als Droschkenkutscher bei der Flucht ins Exil nach England. Er nahm ihn auf einem Mistwagen mit, was in der Kaiserzeit natürlich geheim gehalten wurde. Der Kommandant kam öfter betrunken an die Steinbrücke auf Korügen und kam mit Fritz Rathje ins Gespräch. Er soll dessen Sohn einen Posten auf dem Leuchtturm in Friedrichsort besorgt haben.
Im Jahr 1906 wurde das ärmliche ehemalige Armenhaus abgerissen und ein neues Wohnhaus errichtet. Die Uferkante war damals noch 80 Meter vom Haus entfernt und vor dem Haus befand sich noch ein Obstgarten. Durch den Bau der Mole vom Fort Korügen im Jahr 1868, wurde jedoch der Abbruch an der Steilküste schon beschleunigt.
Nach Friedrich "Fritz" Hinrich war es das Zuhause von seinem Sohn, dem Leuchtturmwärter vom Leuchtturm in Friedrichsort, David Friedrich.
Während der NS-Zeit lautete die Adresse Horst-Wessel-Weg 16. Nach dem Bau der U-Boot-Mole am Ufer von Korügen und der damit verbundenen 11 Meter tiefen Fahrrinne, im Jahr 1938, hat sich die Strömung laut einem späteren Gutachten der Technischen Hochschule Hannover so verändert, dass der Garten vor dem Wohnhaus immer weiter von den Wellen abgetragen wurde. Bis das Haus irgendwann schließlich direkt an der Steilküste stand und am 1. November 1954 geräumt werden musste. Bei einem starken Regen im September 1960 gab der aufgeweichte Boden nach und die Giebelwand des Hauses stürtze das Ufer hinab. Am 6. September 1960 wurde das Haus schließlich durch Pioniere der Bundeswehr aus Schleswig gesprengt.
Die Familie erhielt trotz aller Bemühungen keine Entschädigung. Ein Prozess gegen die Bundesrepublik scheiterte in zweiter Instanz, da das Armenrecht versagt wurde. Es konnte angeblich nicht nachgewiesen werden, dass der Bau der militärischen Anlagen zu dem Einsturz des Hauses führten. 1977 wurde begonnen das Ufer zu befestigen und den Fördewanderweg auszubauen.
*Friedrich "Fritz" Hinrich Rathje und seine Ehefrau Catharina Margaretha geborene Ruser. Seine Eltern waren Detlef Andreas Rathje und Margaretha geborene Böhe.
Location: Uferweg
Chronik
Bewohner
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Besitzer↳ Friedrich "Fritz" Hinrich Rathje (* 23.6.1820) ⚭ 1843 Catharina Margaretha Ruser (* 1820 Rackendorf)
↳ David Friedrich Rathje (Bootsfüher) (* 12.3.1846) [ab 1912 Strandweg 12]
↳ Albert Hermann Christian Rathje (* 1879 - † 16.09.1948) [ab 1936 Horst-Wessel-Weg 16]
↳ W. Rathje (Witwe) | 1925, 1940
Wilhelmine Rathje (Kriegerwitwe) 1960 -
Bewohner1925 - W. Rathje (Witwe), M. Rathje (Witwe), W. Rathje (Seemann)
1930 - W. Rathje (Witwe), W. Rathje (Seemann)
Quellen
Multimedia
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Reviews
Anno 1823 Anno
1960 Beseitigt
Uferweg 16, Heikendorf
Haus/Hof Nr. -
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Uferweg 16, Heikendorf
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Details
- Uferweg 16, Heikendorf
- Zustand: Beseitigt
- Nutzung: Wohnhaus
- Anno: 1.823
- Bis: 1960
- Epoche: Deutscher Bund (1815-1866)
- Landbesitz: Unbekannt











