Der westslawische Stammesverband der Abodriten

Vom 8. bis zum 12. Jahrhundert lebten in unseren Gebieten, östlich der Schwentine die Abodriten. Von 1129 bis zu seinem Tod war Knud Lavard (* 12.3.1096 – † 7.1.1131) letzter Samtherrscher dieses westslawischen Stammesverbandes. Er errichtete 1128 die erste Siegesburg auf dem Kalkberg (Segeberg), welche 1130 von Adolf I niedergerissen wurde. Nach Lavards Ermordung wurde dieser als Heiliger verehrt.

Mit Adolf I kamen dann die Schauenburger nach Nordelbien, wo sie unter dessen Sohn und Enkel gleichen Namens in Wagrien ein erstes Kapitel der deutschen Ostsiedlung einleiteten,.

Niedergang der Wenden bzw. Slawen

Nach der Belagerung der Siegeburg (Segeberg) im Jahr 1135 durch die Wenden bzw. Slawen, rüstete der Holstenfürst Heinrich von Badewide († 1164) zum Widerstand und eroberte ganz Wagrien. Die erbitterten Holsaten und Stormarn, die viel von den Wenden zu erdulden gehabt haben, nahmen den Kampf noch einmal auf und verwandelten das Land der Wenden 1139 in eine blutgetränkte Wüste. Durch dieses Blutbad wurde auch die Probstei bis auf ein paar kleine Reste entvölkert. Sie soll bis 1216 fast menschenleer gewesen sein. Familien wurden ausgelöscht und die wendischen Namen gingen teilweise verloren. So auch die wendischen Ortsnamen, der Vorläufer von den Dörfern Fiefbergen und Barsbek.

Zu wendischer Zeit waren folgende Dörfer schon bewohnt und wurden vermutlich nach 1216 neu besiedelt:
Schönberg (Sconenberch) (neu gegründet 1245 – 1250 von Probst Friedrich des Klosters Preetz)
Prasdorf (Provestesdorf) (1240 erstmals erwähnt)
Wendtorf (Ritseresdorp) (1240 erwähnt)
Fahren (Warnow) (1240 erwähnt)
Krokau (Crocowe)
Passade (Putzade) = Dorf am See (1373 erstmals urkundlich erwähnt)
Laboe (Lubodne) = Schwanenort (1240 erstmals urkundlich erwähnt)

Folgende Flüsse hatten wendische bzw. slawische Namen:
Schwentine (Sventana) = heiliger Fluss
Hagener Au (Karzeniz)
Perserau (Peserow)

Ein Dorf wo die Heiden den besten Schutz gegen feindliche Überfälle fanden, war Wendtorf, früher Ritseresdorp genannt. Hier könnten also noch Wenden überlebt und sich später mit den neuen Siedlern vermischt haben.
Laut Erzählungen sollen in Wisch in einer alten Seeräuberburg die letzten Heiden unserer Gegend gewohnt haben.
Auch in Schönberg (Sconenberch) und Krokau (Crocowe) könnten Wenden geblieben sein.

Heutige Familiennamen slavischen Ursprungs sind:
Puck
Steffen

Adolf II und die Besiedelung Wagriens

Unter Adolf II (* 1128 – † 6.7.1164) wurde die Siegeburg wieder aufgebaut und das Land Wagrien neu besiedelt. Eine Nachricht von Helmold von Bosau lautete: “Graf Adolf schickte Boten aus in alle Gegenden nach Flandern und Holland, Utrecht, nach Westfalen und Friesland, dass die, die Mangel an Land hätten, mit ihren Familien kommen möchten. Sie sollten ein sehr schönes Land erhalten, geräumig, reich an Früchten, das Überfluß an Fischen und Fleisch hatte und herrliche Viehweiden”
Zuerst kamen aber die Holsaten, welche Jahre zuvor die Wenden nahezu ausrotteten, um ihren Sitz in den sichersten Orten der westlichen Gegend von Segeberg, um den Fluß Trave und das Land Schwentinefeld und was von dem Bach Schwale bis Agrimesau und an den Plönersee sich erstreckte, zu sichern. Den Bereich Dargun erhielten die Westfalen, die Eutiner Gegend bewohnten die Holländer. Süsel bewohnten die Friesen, die Plöner Gegend blieb noch wüste. Oldenburg und Lütjenburg und die übrigen am Meer gelegenen Länder gab Adolf II den Slaven (Wenden) zu bewohnen, sie wurden ihm unterthan. So begannen die Wüsten Wagriens wieder bebaut zu werden und die Zahl der Bewohner vervielfältigte sich. Adolf II gründete im Jahr 1143 Lübeck.

Das Kloster Preetz

Bei dem Versuch der Expansion Dänemarks unter König Knut VI (* 1162/1163 – † 1202) und dessen Bruder und Nachfolger Waldemar II (* 28.6.1170 – † 28.3.1241), wurde Adolf III (* 1160 – † 3.1.1225), der Sohn von Adolf II, im Jahr 1201 bei der Schlacht bei Stellau von Waldemar II gefangen genommen. Adolf III verzichtete darauf 1203 auf die Herrschaft über Holstein und Stormarn und zog sich in die Herrschaft Schauenburg zurück. Als neuen Herrscher über Holstein setzte Waldemar II seinen Neffen Albrecht II von Orlamünde (* nach 1182 – † vor dem 22.10.1245) ein, der sich als erster “Graf von Holstein” nannte. 1211 gründete er das Kloster Preetz des Benediktinerinnenordens.

Der erste Ort in der Probstei

Die Probstei hatte Graf Albrecht II von Orlamünde im Jahr 1216 dem Edelmann Marquard von Stenwer (wohl aus Steinwehr) als Lehen überlassen. Diesem wurde in der Salzwiese eine Hufe
verliehen, die von aller Schatzung frei war. Die fruchtbaren Salzenwiesen waren damals schnell zu bewirtschaften, da dort wenig Holz zu roden war. Dieser erste Hof bzw. erste neue Ort in der Probstei (auch Altwisch genannt) befand sich westlich vom heutigen Wisch, auf einem Hügel, “de ole Hof” genannt. Als diese Ansiedlung zerstört wurde, erbauten die Bewohner ein wenig entfernter Fernwisch “Wisch in der Ferne”. In der Zeit zwischen 1216 und 1231 errichtete Marquard von Stenwer die St. Georgskapelle in den Salzwiesen, welche um 1260 von einer Sturmflut vernichtet wurde.

Seit 1226 war der größte Teil der Probstei dann im Besitz des Benediktinerinnenklosters Preetz.

Adolf IV und die Gründung neuer Städte

Adolf IV (* vor 1205 – † 8.7.1261) gewann 1225 die Schlacht bei Mölln und verjagte Graf Albrecht II von Weimar-Orlamünde. Im Jahre 1226 schenkte er den nördlichen Teil des heutigen Kreises Plön dem Benediktinerinnenkloster in Preetz. Dieses Gebiet wurde seither Probstei genannt.
Adolf IV siegte mit seinen Koalitionstruppen am 22.7.1227 in der Schlacht bei Bornhöved gegen ein dänisches Heer unter König Waldemar II und eroberte so die Grafschaft Holstein zurück. Er zog auf die zentral gelegene Siegesburg, wo schon seine Vorfahren herrschten. Im Jahr 1235 gründete er Kiel und Oldenburg in Holstein. 1237 dann Bole, Rethwisch, Neuenbrook, Grevenkop und 1238 Itzehoe. 1244 gründete er Neustadt in Holstein und wurde in Rom zum Priester geweiht. Ab 1246 lebte er in dem von ihm in Kiel gegründeten Marienkloster, wo er 1261 starb und beigesetzt wurde. Das Stammwappen Adolf IV Familie von Schauenburg ziert mit seinem Nesselblatt noch heute viele Ortswappen.

Orte

Wisch wurde 1216 erstmals erwähnt. Bereits vor 1260 wurde der Ort jedoch in einer Ostsee-Sturmflut zerstört und anschließend auf einer östlich gelegenen Anhöhe neu errichtet.

Gaarden (Hemmingestorp) wurde 1233 erwähnt.

Heikendorf wurde 1233 als „Dorf des Heike“ erwähnt.

Lutterbek wurde 1240 erstmals erwähnt, als das Kloster von Preetz für einige Jahre nach Lutterbek verlegt wurde.

Stein wurde 1240 erstmals erwähnt.

Fiefbergen ist höchstwahrscheinlich um 1247 entstanden. Der Name soll “fünf Bergen” bedeuten. Diese oder wendische Opferaltäre sollen um das Dorf gelegen haben.

Barsbek wurde 1281 erstmals erwähnt. Der Ortsname kommt vom adeligen Ritter Marquad Barsbek, der das Dorf 1379 an das Kloster Preetz verkaufte und dem Geschlecht der Barsebeke angehörte.

Brodersdorf wurde im Jahr 1286 zum ersten mal erwähnt. Conrad Bocholt war Propst des Klosters Preetz.

Stakendorf wurde erstmals 1286 urkundlich erwähnt.

Schrevenborn (Grevesborn) wurde 1290 als “des Grafens Brunnen” erwähnt.

Schönkirchen wurde 1294 erstmals erwähnt.

Schrevendorf “des Grafens Dorf”.

Neuheikendorf wurde 1479 erwähnt.

Möltenort (Molthien Orth) “Möltinngs Ecke” wurde 1613 erwähnt.

Nachnamen und deren Ursprung

Arp, ursprünglich Arpe.

Bauer, ist abgeleitet vom Beruf des Bauern.

Böhe, ursprünglich Boye.

Dahmke, eine Fischerfamilie aus Möltenort, vermutlich aus der Probstei stammend.

Dibbern, “diberan“ eine Version des Althochdeutschen „tībaron“, bedeutet “zahlen” oder “zechen”.

Kähler, geht auf den Beruf des Köhlers (Kohlbrenner) zurück.

Möller, ist die niederdeutsche Form von „Müller“.

Möltinng, ein Familienname vermutlich stammend aus der Gegend Dänischenhagen. Namensgeber von Möltenort.

Rix, es wird angenommen, dass der Name mit der Hanse in Verbindung steht (reich / mächtig).

Rühr, althochdeutsches Verb, das eine Art rituelle Bewegung oder einen Tanz bedeutet.

Schleert und Schneekloth (Schleervoedt) ein Familienname vermutlich aus Holland.

Steffen, abgeleitet vom slawischen Vornamen Stefan, der die Bedeutung „der Krone gewürdigt” oder „der Kranz Gewinner” besitzt. In seiner ursprünglichen Form, die als Stepan bekannt ist, war der Name dem slawischen Gott Swiatovit gewidmet.

Bevölkerungsentwicklung der einzelnen Ortsteile

 

Jahr Alt-Heikendorf Neuheikendorf Möltenort Schrevenborn & Kitzeberg Summe
1803 192 206 141 155 649
1855 323 365 255 73 1016
1860
1864
1870 448 416 262 158 1284
1898 872 409 269 119 1569
1908 1265 509 322 222 2591
1925 2052 476 322 495 3345
1948 2960 595 695 637 4887
1969 4130 970 1350 1050 7500

Quelle: Nachlass Wilhelm Schneekloth

Archivgruppe Heikendorf

Archivgruppe Heikendorf und Umgebung

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