Bäcker Kähler
Instenstelle / Bäckerei
Informationen
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Der Inste und Bäcker Heinrich Wilhelm Kähler, gebürtig von der Hörn, war von Beruf Bauer und Grützmacher. Er heiratete die Tochter, Magdalena Kähler, des in Neuheikendorf (Dinghorst) geborenen Hans Carl Friedrich Kähler.
Hans Carl Friedrichs Eltern waren Paul Kähler und Anna Margaretha geb. Steffen auf Dinghorst. Seine Ehefrau Magdalene Sophia Petersen war eine Tochter des Neuheikendorfer Schmieds Hans Christoph Hinrich Petersen.
Die Bäckerei in Alt-Heikendorf war ein Gesellenbetrieb und die erste im Dorf. Im Jahr 1876 steht dort nicht mehr das kleine armselige Instenhaus welches 1862 abgerissen wurde, sondern ein stattliches Kätnerhaus mit größerem Kuhstall und schon einem richtigen Laden mit einer Glocke, Ladentisch, Borde und ein kleines Schaufenster.
Die Hörn war ein großer Bauernhof, Heinrich Kähler war das jüngste Kind, für ihn, als der Vater früh starb, wurden 1000 Taler Mündelgeld auf die Bank gesetzt, auf Zinseszins. Es stand schlecht um die Hörn, keines der Kinder erbte, Heinrichs Geld durfte nicht angetastet werden. Er erbte mit seiner Volljährigkeit das angelegte Geld, heiratete und baute neue Gebäude in der Dorfstraße. Der Hof verfügte über eine Grützmühle und eine neuzeitliche Bäckerei. Die Mühle wurde mit 3 bis 4 Pferden angetrieben um das Korn fein zu malen. Sie war die modernste weit und breit. Heinrich Kähler hatte in der Grützmühle in Schönkirchen gelernt. Der Hof muß aus der Leibeigenschaft stammen, ein großes Bauerngrundstück für einen Insten. Man muß die Zeit messen vor 1786, der Bauer ein Sklave, der geringste Mensch am Gut. Bauer Heinrich Kähler wurde bis ins hohe Alter hinein für den anständigsten Menschen im alten Dorf geschätzt. Er hat noch in Kopenhagen gedient, war der Bursche eines dänischen Generals. Dieser wohlgesinnte General hat ihn, für seine Zeit, tiefe Einblicke in die Geschichte gegeben. Und de Zuckerbäcker, wie ihn das Dorf nannte, war sein Leben lang mehr Däne als Deutscher. Er war der Großvater des Dr. Karl Bruhn, späterer Besitzer der Stelle.
Der Bäckereibetrieb war klein und sehr sparsam. Gebacken wurde mit Holz und Torf. Die Asche wurde gesiebt und die Kohle verkauft. Die übrige Asche wurde fein gesiebt und auch verkauft, an Fabriken in Kiel. Das Torf kam von der Schaarteichwiese. Gutes Torf hingegen wurde vom Schlüsbeeker Moor geholt.
Heinrich Kähler verdiente viel Geld und machte sich als Agent im Kreis Plön (damals Bordesholm) einen Namen. 1895 kam weiteres Land auf dem Stauenkamp durch Prozessen in seinen Besitz. Er war nun nicht mehr Inste sonder Kätner. Durch den Verkauf der Ländereinen von Bauer Rühr im Jahr 1906 und der Hörn ein Jahr zuvor kam er schließlich auf einen Landbesitz von 70 Tonnen. Es kamen nochmal 11 Tonnen durch durch weiteres Land bei der heutigen Ulmenstraße hinzu. Bäcker Kähler war nun Hufner.
Durch den Betrieb der Schanzen verdiente er auch Geld hinzu. Er hatte eine Eimerabfuhr und fuhr die Ausscheidungen auf seine Koppel. Die kräftige Düngung führte zu einer höheren Milchleistung seiner Kühe auf der Dauerweide.
Mit dem Bäderbetrieb um 1900 eröffnete er einen Fuhrbetrieb. Die Strecke auf Wunsch. Eine Tagestour mit zwei Pferden kostete 15 M. Ein extra Kutscher 3 M. Verpflegung und Übernachtung war auch möglich.
Die Vorfahrin dieser Instenstelle hat 15 Jahre, mit ihrer Schwester vom Wiesenkampbauern, auf dem Gute Schrevenborn gedient. Der Graf hat diese beiden Schwestern belohnt mit einer Instenstelle in Heikendorf. Es war das höchste Glück in der damaligen Zeit ein Inste zu sein auf einer kleinen Scholle. Man schenkte ihnen eine Kuh und anderes Vieh und Dinge. Das Land dieser beiden Schwestern war auf dem Stauenkamp, das nicht nach der Leibeigenschaft durch Zäune eingefriedet werden brauchte. Wie immer im späteren Leben, Generationen danach, gab es viel Streit. Um 1900, wegen der Grenze und des Viehs. Es gab Prozesse, so hart, der Wiesenkampbauer verlor dort sein ganzes Land. So dass ihm zuletzt nicht mehr nachblieb als das Land beim Hause.
Der Sohn Viktor wurde auch Agent. Er war bei der Schlesischen Feuerversicherung und wollte auch geschäftstüchtig sein. Die Bewirtschaftung seines Hofes überließ er seinem angestellten Verwalter Friedrich Lübke. Viktor Kähler verkaufte später alles, Stück für Stück, noch vor dem Zweiten Weltkrieg. Dieser Krieg nahm alle seine Gebäude hier und in Kiel.
Das Bauernhaus zur Straße wurde schon 1934 aufgegeben, man baute es aus zu einem schmucken 6 Familienhaus, in alter Form. Die Zierde blieb, die alte große Bäckertür blieb auch, sowie die alte schöne Buche. Bedeutender, der Vorgarten blieb, solange eine Frau Kähler lebte. Es war das schönste Gartenparadies im Dorf. 1944 brannte auch dieses schöne Haus gänzlich aus. Auf den Fundamenten Scheune steht heute das Wohnhaus Dorfstraße 13. Der kleine Anbau hinter dem Haus stammt noch aus damaliger Zeit, es ist das einzige Bauwerk welches von dem ehemaligen Hof erhalten blieb.
Im Jahr 1950 erbte der Neffe von Viktor Kähler, Dr. Carl Bruhn den Hof. Die restlichen Wirtschaftsgebäude wurden in den 1960er Jahren abgerissen, für den Naubau von Mietwohnungen für Arbeiter auf dem Munitionsdepot.
Der große Kastanienbaum gehörte auch zur Hofstelle und wurde wohl 1862 angepflanzt.
Location: Dorfstraße
Chronik
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1866 Heinrich Wilhelm Kähler wird als Bäcker in der Dorfstraße 13 erwähnt.
1882 Der Bäcker Heinrich Kähler heiratet und erbt. Neue Gebäude werden errichtet.
1921 Viktor Kähler wird Eigentümer und verkauft Teile seines Landes.
1934 Das alte Bauernhaus wird zum 6 Familien Wohnhaus umgebaut.
1944 Das Wohnhaus brennt nieder.
Bewohner
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Besitzer↳ Hans Carl Friedrich Kähler (* 08.12.1793 Neuheikendorf - † 27.08.1867 Alt-Heikendorf) ⚭ 23.04.1824 Magdalene Sophia Petersen (* 1796) | VZ 1835, 1845, 1855
↳ Heinrich Wilhelm Kähler (von der Hörn) (* 1834) ⚭ Magdalena Kähler (* 1836) | VZ 1864
↳ Viktor Kähler († 1950) (Bezirksdirektor in Kiel) | Adr.b. 1925 - 1936
↳ Dr. Carl Bruhn (17.4.1892) - BewohnerHans Carl Friedrich und Magdalene Sophia Kähler mit den Kindern Hinrich Detlev Kähler (* 1827), Magdalena Kähler (* 1836)
Quellen
- Personen: Nachlass Wilhelm Schneekloth
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