In den Jahren 1945 und 1946 versenkten die britischen Besatzungsbehörden beschlagnahmte Wehrmachtsmunition in der Kieler Förde. In den folgenden Jahren begann die Bergung und Unschädlichmachung der Munition.

Zunächst sollte die sogenannte Delaborisierung wertvollen Metallschrott für England liefern. Später entwickelte sie sich auch zu einer Einnahmequelle für Privatunternehmen und den Staat.

Man sprach von rund 250.000 Kilogramm Sprengstoff unter Wasser, ein riesiges Pulverfass, das sich nach damaliger Einschätzung selbst zu entzünden drohte.

Blick-vom-ehemaligen-Marine-Artillerie-Zeugamt-auf-Jägersberg-1952

Im Jahr 1952 wurde die Karl Porr Sprengstoff-Großhandels GmbH aus Hamburg mit der Bergung und Delaborierung der Munition im ehemaligen Marine-Sperrzeugamt Jägersberg beauftragt. Das Unternehmen arbeitete dort in der Munitionsverwertungsanstalt Haffkamp eng mit der staatlichen Munitionsräumgruppe aus Schleswig-Holstein zusammen.

In den Jahren 1953 und 1954 kam es auf dem Gelände zwischen Laboe und Heikendorf zu mehreren Explosionsunfällen. Die an Land gelagerte Munition begann sich bei Sonneneinstrahlung selbst zu entzünden. Deshalb wurde sie wieder ins Wasser gebracht und unmittelbar vor der ehemaligen Landungsbrücke Jägersberg gelagert. Dort lag sie dicht an dicht und teilweise übereinander gestapelt

Eine geheime Bestandsaufnahme nennt folgende dort gelagerte Munition:

  • 548 Torpedoköpfe (je 320 bis 360 kg Sprengstoff)
  • 81 Seeminen (je 120 kg Sprengstoff)
  • 84 Wasserbomben (je 60 kg Sprengstoff)
  • 94 Sprengkanister (je 50 kg Sprengstoff)
  • 45 Bomben zu 250 kg (je 200 kg Sprengstoff)
  • 9 Bomben zu 500 kg (je 400 kg Sprengstoff)
  • 68 Kisten mit 3,7-cm-Munition
  • 38 Granaten des Kalibers 10,5 cm
  • 13 Kisten mit 2-cm-Munition (je 100 Stück)
  • 1 Rakete
  • 1 Brandbombe

Am Samstag, dem 30. Januar 1954, ereignete sich das vierte Explosionsunglück. Zwei schwere Explosionen forderten drei Todesopfer und acht Verletzte. Die Druckwelle verursachte erhebliche Schäden in Laboe, Heikendorf und Friedrichsort. Dächer wurden abgedeckt sowie Türen und Fenster zerstört. Selbst in den weiter entfernten dänischen Ufergemeinden klirrten die Fensterscheiben. Die Menschen aus dem Lager am Laboer Weg wurden evakuiert und vorübergehend im Schulgebäude im Dorf untergebracht.

Bei dem Unglück kamen folgende Männer ums Leben:

  • Otto Walter Kairies, 41 Jahre, Kaufmann. Die Trauerfeier fand am 4. Februar 1954 in der Kirche in Laboe statt. Die Bestattung erfolgte am 9. Februar in Laboe.
  • Erich Sieck, 23 Jahre, Maurer aus Laboe. Er wurde am 9. Februar 1954 in Laboe bestattet.
  • Paul Kutzmarski, 39 Jahre, Zimmermann aus Möltenort. Die Trauerfeier fand in Laboe statt, die Bestattung am 9. Februar 1954 im Grab Block 18b Nr. 17a.

Alle drei Männer waren verheiratet. Nach Unterlagen der Gemeinde Laboe übernahm Karl Porr sämtliche Bestattungskosten. Außerdem wurde der zuletzt bezogene Lohn der Verstorbenen bis zur Bewilligung der Renten weitergezahlt. Die verletzten Betriebsangehörigen erhielten für vier Wochen ihren vollen Lohn. Während des Krankengeldbezugs wurde die Differenz zum vollen Lohn ausgeglichen.

Nach dem Unglück und auch aufgrund des Drucks der umliegenden Gemeinden stellte das schleswig-holsteinische Innenministerium den Betrieb ein. Das Gelände wurde anschließend vom Munitionsräumdienst (MRD) übernommen.

Am 18. Oktober 1954 lud das Innenministerium den Landrat sowie die Bürgermeister der Gemeinden Heikendorf und Laboe zu einer Besprechung mit dem zuständigen Regierungsdirektor ein. Für den Fall der Zustimmung des Kabinetts war vorgesehen, die Munition vor Korügen an Flößen zu befestigen und zu einem ehemalig genutzten Versenkungsplatz in der Ostsee zu transportieren. Dort sollte sie kontrolliert gesprengt werden.

Die Karl Porr Sprengstoff-Großhandels GmbH verlegte ihren Betrieb 1957 in das ehemalige Marine-Artillerie-Arsenal Fahrenkrug-Wahlstedt. Dort experimentierte das Unternehmen mit neuartigen Sprengstoffen. Im Jahr 1964 begann die Produktion des sogenannten Industriesprengstoffs „Porrit“.

Archivgruppe Heikendorf

Archivgruppe Heikendorf und Umgebung

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