Gerettet von Adolf Brütt

Nachtwächter Claus Friedrich Löpthien

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Der Nachtwächter von Möltenort, Claus Friedrich Löpthien, geboren am 26. Juni 1811 in Altheikendorf, war der Sohn von Hinrich Friedrich Loppentien (Löpthien) und Abel Rixen (Rix). Seine Mutter war die Tochter von dem Möltenorter Fischer Claus Rix und dessen Frau Magdalena Catharina Rix.
Löpthien wurde am 12.07.1811 in der Kirche zu Schönkirchen getauft. (KB 1811/48) Die Taufpaten waren Claus Rix vom Orth, Hans Friedrich Kähler und Margaretha Sophia Steffen.
Er wurde im Jahr 1828 konfirmiert.
Die Familie lebte im Armenhaus. Von Beruf war Löpthien Fischer. Er fuhr hinaus bis hinter’s Gabelsflach, eine Untiefe die sich noch hinter dem heutigen Kieler Leuchtturm befindet und fischte bis zu seinem Lebensende.
1843 heiratete er Margareta Catharina geb. Göttsch (* 13.03.1813 in Wisch – † 19.7.1889 in Möltenort) in der Kirche in Probsteierhagen.
Die beiden bekamen die Kinder:

  1. Anna (* 1843)
  2. Friedrich (* 1844)
  3. Bertha (* 1846) verheiratet mit dem Seemann Carl Reuter in Kiel
  4. Johann (* 1849 – † vor 1889)
  5. Magdalena (* 1850) verheiratet mit dem Schiffszimmermann Carl Terschwitz in Kiel Gaarden
  6. Caroline Marie Wilhelmine (* 27.05.1853 in Alt-Heikendorf)
  7. Friedrich Karl (* 11.06.1856 in Möltenort) Seemann in Gaarden und verheiratet mit Catharina Margaretha Andersen.

Im Jahr 1855 erhielt er laut Volkszählung Armenunterstützung und lebte weiterhin im Armenhaus zu Altheikendorf. Ein Jahr später bewohnt die Familie ein Haus im Möltenort.

Strandweg-Gemälde-Nachtwächter-von-Möltenort-1882-min

Mit dem Beschluss der Gemeindevertretung die überlastete Gendarmerie mit Nachtwächtern und Amtsdienern zu unterstützten, trafen sich die Möltenorter am sogenannten grünen Tisch hinter dem windschiefen Holzschuppen bei Claus “Klas Höker” Friedrich Rix (* 28.12.1811 – † 27.06.1893), dem damaligen Kolonialwarenhändler im Strandweg Nr.4. Es war der Treffpunkt wo über Leben und Sterben, über Fischpreise und Schietreisen, über zerfetzte Großsegel und vertriebene Netze verhandelt wurde. Claus Friedrich Löpthien verhielt sich bei der Nachtwächterfrage zunächst zurückhaltend. Als man ihn jedoch nach seiner Meinung fragte, zog er seine breiten Fäuste aus den Hostentaschen, drehte sich einen langen Prüntjer (Kautabak) ab, schlug einen Knoten hinein und verstaute ihn mundeinwärts, oben oberhalb der Bartkrause. Er sprach: “Ik will ju wat vertelln. Wi kamt bi un nachtwächtert sülben!” Vom Dachboden holte er ein Nachtlicht in Form einer verstaubten Stall-Laterne, mit einer halbblinden Hornscheibe und der Jahreszahl 1856. Claus “Klas Höker” Friedrich Rix stiftete ein altes Nebelhorn. Der Dienst begann um 10 Uhr abends und endete um 4 Uhr morgens. Claus Friedrich Löpthien übernahm oft den Dienst für die Bewohner, die es ablehnten das Nachtwächteramt zu übernehmen, besonders für alleinstehende Frauen. So wurde er mit der Zeit fast ein Nachtwächter im Hauptamt. Für acht Groschen und “n Taß Kaff” übernahm er die Verantwortung für das Wohl der Möltenorter Fischerkaten.

Das Gemälde “Nachtwächter von Möltenort”, Kiel, Dezember 1882, von Thomas Christian Wolters (* 02.08.1854 in Kiel – † 28.01.1909 in Kiel), schenkte Fritz Lau seiner Heimatgemeinde Heikendorf am 05.03.1953. Im Oktober 2025 war es das Bild des Monats im Künstlermuseum Heikendorf.

Der Bildhauer Adolf Carl Johannes Brütt (*10. Mai 1855 in Husum – † 6. November 1939 in Bad Berka) verbrachte mehrfach seinen Urlaub in Möltenort. Während eines Sommeraufenthalts in den 1880er Jahren formte er dort am Strand von Möltenort ein erstes Abbild des Fischers Claus Friedrich Löpthien (*25. Juni 1811 in Altheikendorf – † 5. Mai 1895 in Kiel) aus Lehm. Das Material stammte aus der Lehmkuhle in der Wallachei. Vier Jungen halfen Brütt bei der Beschaffung des Lehms, darunter auch der spätere Heimatdichter Fritz Lau. Löpthien erzählte immer wieder die Geschichte, wie er einst Stine Schröder (*7. November 1859 – † 9. Oktober 1905 in Möltenort) aus dem Wasser gerettet hatte. „Sonst weer se versopen!“, pflegte er zu sagen.

Eines Tages schickte Brütt ein im Jahr 1887 entstandenes Kunstblatt mit dem Titel „Gerettet“ nach Möltenort. Dieses hing lange Zeit in der Möltenorter Fischerkneipe. Zur selben Zeit schuf Brütt den Original-Gips, der erst 1894 von der Gießerei Aktiengesellschaft Gladenbeck in Bronze gegossen wurde. So entstanddas endgültige Abbild von Claus Friedrich Löpthien in Form einer 174 Zentimeter hohen Bronzeplastik mit dem Titel „Gerettet“. Sie zeigt den alten Fischer in seiner Arbeitskleidung mit der vor dem Ertrinken geretteten Stine Schröder.

Der erste Guss wurde 1907 vor der Nationalgalerie in Berlin aufgestellt, kam 1928 als Dauerleihgabe nach Flensburg und befand sich dort bis 2009 auf dem Museumsberg. Seitdem steht dieser erste Guss wieder in Berlin auf der neugestalteten Museumsinsel. Ein erster Nachguss befindet sich seit 1991 am Schröderstrand in Möltenort. Ein weiterer Nachguss wurde 2010 vom Flensburger Verschönerungsverein am ehemaligen Standort des Erstgusses aufgestellt. Der Original-Gips gelangte 1896 als Schenkung Brütts in die Kunsthalle zu Kiel. Dort wurde er im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Skulptur-Gerettet-von-Adolf-Brütt-in-Flensburg-um-1919
Strandweg-Skulptur-Gerettet-von-Adolf-Brütt-in-Möltenort-um-1995-min

Die Gerettete, Maria Christina “Stine” Dorothea Schröder geboren am 7. November 1859 war die Schwester des Bäckers Heinrich Friedrich Schröder in Möltenort, auf dessen Familiennamen die Bezeichnungen
Schröderstrand, Schröderstraße und Schröderwiese zurückgehen.. Ihr Vater war der Schiffer Peter Hinrich Schröder (* 1826 Eckhof – † 7.3.1879), der aus dem Dänischen Wohld nach Möltenort kam und in die Familie Dahmke einheiratete. Seine Frau Christine Dorothea Dahmke (* 1829) war die Tochter des Vorbesitzers vom Strandweg Nr.8, Carl Hinrich Dahmke. Stine heiratete 1887 den Fischer Heinrich Christian Dahmke. Sie starb 1905 an einem Herzleiden und wurde am 12. Oktober 1905 auf dem Friedhof in Schönkirchen bestattet.

Claus Friedrich Löpthien starb am 05.05.1895 in Kiel und wurde in Schönkirchen beigesetzt.

Quellen: Archivgruppe Heikendorf, Chronik Heikendorf (S. 108), Der Bildhauer Adolf Brütt (S. 121), Fritz Lau

Zu diesem Artikel gibt es einen Artikel im Heikendorfer Anzeiger in der Ausgabe vom Februar 2026.

Titelblatt Heikendorfer Anzeiger Februar 2026
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Neubausiedlung-Stückenberg-im-Bau-um-1967

Siedlung Stückenberg

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Im Jahr 1966 begann die Grundsteinlegung für 53 Nebenerwerbsstellen auf den Flurstücken „Der Hof“ und „Die Stücken“ in Neuheikendorf. Träger des Projekts war die Deutsche Bauernsiedlung GmbH. Die spätere „Stückenberg-Siedlung“ war von Beginn an in ihrer Ausführung umstritten. Von der Genehmigung bis zum ersten Einzug vergingen mehr als acht Jahre. Es wurde mehrfach umgeplant, es fehlte an finanziellen Mitteln, und zahlreiche Genehmigungsverfahren mussten durchlaufen werden. Das Projekt drohte mehrfach zu scheitern. Weiterlesen… “Siedlung Stückenberg”

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Schneekatastrophe 1978 – 1979

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Sollten Sie noch Bilder von der Schneekatastrophe in Heikendorf haben und uns zur Verfügung stellen wollen, melden Sie sich gerne.

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Schüttbrehm Weg-min

Armselige Weihnachten 1919

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Ein Bericht von Wilhelm Schneekloth (1904 – 1988):

Auch wenn man sonst nichts hatte, wollte man doch eine warme Stube haben. Kohlen waren rar und teuer. Im Krieg sammelten wir Jungen Koks bei der Kitzeberger Huk, alles, was die Heizer über Bord warfen, wurde dort angetrieben. Weiterlesen… “Armselige Weihnachten 1919”

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Zusammengebrochenes Pferd vor Wagen

Hurrah morgen gibt es Pferdefleisch!

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Wilhelm Schneekloth (* 15.12.1904 – † 06.07.1988) berichtete aus seiner Kindheit im Jahr 1918. Der Erste Weltkrieg ging zu Ende, Elend und Not herrschten im Dorf:
Heinrich “Marokker“ Petersen aus dem Langen Rehm und Christian Willrodt aus der Hafenstraße hatten ein Fuhrunternehmen. Sie verfügten über drei Arbeitspferde, die ihre Wagen zogen. Weiterlesen… “Hurrah morgen gibt es Pferdefleisch!”

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Rudolf Behrend – Das Paradies

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Vor Kurzem entdeckten wir im Nachlass von Wilhelm Schneekloth (* 15.12.1904 – † 06.07.1988) einen handgeschriebenen Zettel.
Er stammt von dem Kunstmaler Rudolf Heinrich Behrend (* 25.03.1895 – † 10.02.1979), der darin Erlebnisse aus seiner Jugend und der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg beschreibt. Weiterlesen… “Rudolf Behrend – Das Paradies”

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Ida Augusta Hardenberg-Reventlow 1798 - 1866 Fotografie-min

Namensgeber unserer Ortschaften

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Heikendorf

Nur wenige Jahre nach der ersten Nachricht über die Besiedlung der Probstei durch holsteinische Ritter und Bauern wird der Name Heikendorf erstmals erwähnt. Der Ortsname bedeutet „Dorf des Heike“ – vermutlich benannt nach einem Ritter oder Adeligen, der das Dorf bei der Rodung des einst die Gegend bedeckenden Waldes Isharno gründete.

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Bauernwagen auf dem Eis - AÌ-min

Der Fuchs auf dem Eis

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Nach 1876 kamen die ersten Pferde auf die kleinen Bauernstellen. Bis dahin wurde das Land der Familien Klühn, Schleert und Hannes Kähler von Hans Christian Hinrich „Heinrich“ Kähler (* 25.11.1850 – † 27.1.1932), auch „Hein Bur“ genannt, bewirtschaftet. Die kleinen Bauern waren damals nur Insten und bis 1876 dem untersten Stand zugeordnet. Sie hatten lediglich das Recht zu arbeiten. Weiterlesen… “Der Fuchs auf dem Eis”

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Redoute Heidberg nach der Zerstörung

Festung Heidberg

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Hoch gelegen, einst als Landfestung errichtet, sollte die Redoute Heidberg das Fort Korügen von der Landseite aus sichern, falls im Krieg eine Landung von Lütjenburg her geschah. Die Festung war eine Fünfeck-Landfestung, an fünf Ecken war sie bestückt mit Kanonen. Sie wurde wohl zur Zeit des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 erbaut. Stabil waren die Wälle. Alles bestand aus starkem Mauerwerk. Die Ziegel wurden auf dem Seeweg herangeschafft. Auch die Unterkünfte waren gut geschützt. Über dem Mauerwerk war alles abgedeckt mit starkem Bleiblech zur Isolation. Darüber eine Erdschicht mit Quecke bewachsen. Weiterlesen… “Festung Heidberg”

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Strandweg-Richard-von-Tolkemit-Die-Arche-Noah-auf-der-Wiese-im-Stinnes-Park-um-1968-min

Der letzte Schoner vom Frischen Haff

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Die Lomme war ein ganz charakteristisches Schiff der Küste Ostpreußens. Der Rumpf bestand aus Eichenholz und wurde in Klinkerbauweise angefertigt. Die Schiffe hatten keinen Kiel im üblichen Sinne, sondern eine sogenannte Solplanke, die weitaus stärker als die üblichen Planken ausgelegt war. Große Ladeluken an Deck, in Segmenten ausgeführt, waren ein markantes Merkmal dieses Schiffstyps. Die zweimastige Lomme bezeichnet man auch als Galeaslomme, der zweite Mast war also fast so hoch wie der Großmast. Der Verwendungszweck dieser Schiffe war sehr unterschiedlich. Die „Richard“ diente z.B. auch der Steinzangenfischerei in der Ostsee, wobei die Steine für Deich- und Hafenbau verwendet wurden.
Die „Richard“ wurde 1912 auf der Werft von Heinrich Modersitzki in Tolkemit gebaut. Sie hatte eine Länge über die Steven von 20,49m, eine Breite von 6,38m und einen Tiefgang von 1,88m max. Die Segelfläche betrug 255 qm. Gebaut wurde sie für den Schiffer Richard Lingner aus Tolkemit. Weiterlesen… “Der letzte Schoner vom Frischen Haff”

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